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Thema: Was man über Trimmklappen wissen sollte

  1. #1
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    Standard Was man über Trimmklappen wissen sollte

    Welche Systeme gibt es?

    Einerseits muss man unterscheiden zwischen "normalen" Trimmklappen und den QL Trimmstufen (auch Stauklappen genannt). Die letzteren haben wohl diverse Vorteile, sollten aber nur an gut motorisierten Booten in Erwägung gezogen werden. Eher hecklastige, weniger gut motorisierte Boote oder solche, die bei Verdrängerfahrt zum Gieren neigen sind mit Trimmklappen besser bedient, weil diese (heruntergefahren) die Gierachse stabilisieren und beim Angleiten helfen können.

    Bei Trimmklappen hat man dann die Wahl zwischen
    • elektromechanischen Systemen (z. B. Eltrim, Lenco, Uflex, Lectrotab, Minn Kota)
    • elektrohydraulischen Systemen (z. B. Plastimo, Insta-Trim, Bennett)
    Die elektromechanischen sind etwas einfacher zu montieren, brauchen keinen Platz im Bootsinneren und sind wartungsärmer (Ölstandskontrolle und Ölwechsel fällt weg). Wo kein Hydrauliköl ist, kann natürlich auch im Fall eines Defekts keines austreten. Elektrohydraulische Trimmklappen haben keine elektrischen Teile außerhalb des Boots im Wasser. Beim Ausfahren ändert sich der Druck im Innern nicht (insbesondere kann kein Unterdruck entstehen), was sie bei kleinen Undichtigkeiten weniger störanfällig macht (wohl aber zu Gewässerverschmutzung mit Hydrauliköl führen kann).

    Es gibt auch Trimmklappen, die gar nicht während der Fahrt verstellbar sind oder sich von allein durch Federkraft geschwindigkeitsabhängig verstellen sollen (z. B. Plastimo, Smart Tabs oder Auto Trimm).

    Geht es nur um das Gieren in Verdrängerfahrt und den leichteren Übergang in die Gleitfahrt, sind manche Bootseigner auch von sogenannten Hydrofoils überzeugt, die im Prinzip eine vergrößerte Antikavitationsplatte direkt am Außenborder darstellen. Dadurch soll zusätzlicher Auftrieb am Heck erzeugt und das Boot leichter in Gleitfahrt gebracht werden.

    Will man aber bei Gewichtsverlagerungen oder Seitenwind immer einen optimalen Trimm des Boots erreichen, kommt man um richtige Trimmklappen nicht herum, die sich während der Fahrt verstellen lassen.


    Welche Größe?

    Man kann sich nach den Herstellerempfehlungen richten, wobei Eltrim etwas größere Trimmklappen empfiehlt als die meisten anderen Hersteller. Im Zweifel geht man an die Oberkante der Größenempfehlung (außer bei Eltrim). Man fährt damit in jedem Fall besser, als mit zu kleinen Klappen, die dann evtl. nur enttäuschende Wirkung zeigen. DIe Preisunterschiede zwischen verschiedenen Größen sind ohnehin gering (außer bei dem Größensprung, der die doppelte Zahl von Trimmzylindern erfordert).

    Für große Boote, bei denen entsprechend große Trimmklappen mit zwei Antriebszylindern pro Seite sinnvoll sind, haben hydraulische Systeme Vorteile, weil sich beide Antriebszylinder mit gleicher Kraft (und damit von alleine gleich schnell) bewegen. Dies ist bei elektrischen Systemen nicht so genau hin zu bekommmen; im Extremfall können die Klappen, Scharniere und Befestigungen beschädigt werden, wenn von zwei elektrischen Antriebszylindern an derselben Klappe einer ausfällt.


    Stellungsanzeige

    In jedem Fall sinnvoll ist es, im Cockpit eine Stellungsanzeige für die Trimmklappen zu haben. Aus Preisgründen bieten zwar fast alle Hersteller auch Schaltersätze ohne Stellungsanzeige an, die sinnvolle Bedienung der Trimmklappen gerät damit aber schnell zum Ratespiel. Das gilt umso mehr, wenn der Antrieb einen Powertrimm hat. Der Mehrpreis für die Stellungsanzeige ist bezogen auf den Gesamtpreis eine Trimmklappensystems nicht allzu hoch und lohnt sich fast immer.


    Automatische Steuerung

    Es gibt Steuerungssysteme für Trimmklappen, welche die Verstellung der Trimmklappen in bestimmten Fahrzuständen automatisieren. Sie können z. B.:
    • eine Neigung oder Rollen um die Längsachse automatisch ausgleichen
    • teilweise in Gleitfahrt den automatisch den Längstrimm optimieren
    Solche Systeme gibt es von diesen Herstellern:Von diesen Systemen ist das von Eltrim das preiswerteste (je nach vorhandener Ausstattung ab 420 Euro). Andere haben aber teilweise zusätzliche Funktionen oder passen evtl. besser zu bereits vorhandenen Trimmklappen.

    Bei hydraulischen Trimmklappen ist es sinnvoll, diese während der Liegezeit komplett nach oben zu fahren, um die Hydraulikstempel von Bewuchs frei zu halten. Diese Funktion kann auch automatisiert werden, so dass die Klappen von alleine hoch fahren, sobald die Zündung ausgeschaltet wird. Bei Dauerwasserliegern ist das besonders wichtig.


    Wo montieren?

    Weitgehend einig sind sich alle Hersteller in ihren Einbauanleitungen, dass Trimmklappen
    • so weit wie möglich nach außen (Abstand von der seitlichen Rumpfkante aber min. 3-10cm, nur Plastimo empfiehlt min. 20cm)
    • mindestens 20cm von der Mittellinie des nächstliegenden Antriebs entfernt
    am Heck angebracht werden sollen.

    Im Detail gibt es aber unterschiedliche Empfehlungen:
    • Eltrim empfiehlt den Anbau bündig zur Unterkante des Rumpfes. Die Hinterkante der Klappen soll in eingefahrener Stellung in Verlängerung der Gleitfläche liegen; nur bei schnellen Gleitbooten wird emfohlen, die Hinterkante 1cm höher zu setzen.
    • Plastimo sagt ebenfalls: Vorderkante bündig; empfiehlt aber die obere Endstellung ca. 2 Grad oberhalb der Gleitflächenverlängerung. Das läuft auf etwa 1cm bei 30cm Klappenlänge hinaus.
    • Insta-Trim und Bennett sagen fast das gleiche: Je nach Modell empfehlen sie, die Vorderkante bis zu 9mm nach oben zu versetzen. Das hintere Ende der Trimmklappen soll (eingefahren) je nach Modell 0 bis 1,5 cm höher liegen als das vordere.
    • Lenco empfiehlt den Anbau 1cm oberhalb der Unterkante des Rumpfes. Das hintere Ende der Klappen soll (eingefahren) zwischen 1,5 und 2,5 cm über der Gleitflächenverlängerung liegen.
    Setzt man voraus, dass ein Gkeitbootrumpf sinnvoll konstruiert und das Boot richtig motorisiert ist, wird man wohl in den meisten Fällen eine Montage wählen, bei der die Trimmklappen bei schneller Gleitfahrt im eingefahrenen Zustand komplett aus dem Wasser sind, also sowohl Vorderkante 5-10mm nach oben versetzt, als auch zur Hinterkante leicht ansteigend (so dass sich am hinteren Ende 1-2cm Abstand ggü. der Gleitflächenverlängerung ergeben). Andere Montagevarianten können in folgenden Fällen sinnvoll sein:
    • Bei hoch motorisierten, stark aufgekimmten Gleitern, die bei schneller Gleitfahrt zum Chinewalk neigen. (Chinewalk bedeutet, dass ein Boot, das fast nur noch auf dem Kiel gleitet, sich mal auf die eine, mal auf die andere Seite legt, bis die dortige Gleitfläche es beim Kontakt mit dem Wasser wieder in die andere Richtung kippt.) Hier kann es sinnvoll sein, die Trimmklappen weiter innen zu montieren. In jedem Fall müssen sie auch bei voller Gleitfahrt noch so weit runter gefahren werden können, dass sie ins Wasser kommen, um die Längsachse des Boots zu stabilisieren.
    • Bei schwach motorisierten Gleitbooten oder Halbgleitern; hier kann eine genau bündige und in oberer Stellung mit der Gleitfläche fluchtende Montage besser sein. Damit wird das Angleiten besser unterstützt, weil die Klappen tiefer gefahren werden können. In normaler Gleitfahrt wirken die Trimmklappen ganz nach oben gefahren als widerstandsarme Verlängerung der Gleitfläche.
    • Bei Verdrängern (bei denen die Trimmklappen allerdings sehr groß sein müssen, um überhaupt eine Wirkung zu entfalten)


    Verschrauben und Kleben

    Bei kompletten Kits kommen in der Regel die notwendigen Edelstahlschrauben zur Befestigung mit. Zum Dichten der Bohrungen beim Einschrauben braucht man aber zusätzliches Material. Wieder gehen die Meinungen der Hersteller auseinander, welches Material zum Dichten am geeignetsten ist:
    • Bennett empfiehlt, die Schrauben vor dem Eindrehen in Marine-Epoxidharz zu tauchen.
    • Die meisten anderen Hersteller raten zu einer Abdichtung mit einem salzwasserfesten Elastomer (z. B. Sikaflex 252, Sikaflex 292, TIKALFLEX contact 12, 3M 4200 oder 5200, Körapop 950 Marine, Pantera MS 3000/60, Simson Marine Powerflex).
    Perfektionisten können beide Methoden miteinander kombinieren und evtl. auf der Rumpfinnenseite überstehende Schraubenenden zusätzlich mit dem Epoxy versiegeln.

    Ich halte zusätzlich zur Verschraubung die flächige Verklebung der Scharniere und Beschläge mit dem Bootsrumpf für sinnvoll. Dazu würde ich unbedingt einen Elastomerkleber bevorzugen, weil dieser auch nach dem Aushärten elastisch bleibt. Die Klebung kann sich dann nicht so leicht durch Vibrationen, Schläge oder Stöße komplett lösen. Die Dichtheit bleibt damit auf lange Zeit gewährleistet.

    Optimale Haftung des Dicht-/Klebstoffs zwischen Beschlägen und Bootsrumpf ist nur gegeben, wenn ein evtl. vorhandener Antifouling-Anstrich vor dem Kleben bis auf den Gelcoat oder ggf. die Grundierung abgetragen und die Oberfläche dabei leicht angerauht wird.

    Bei stark belasteten Verschraubungen in GFK ist es sinnvoll, das GFK auf der Innenseite mit Sperrholz zu verstärken, das vollflächig (Zweikomponentenkleber) mit dem GFK verklebt wird. Die Schrauben haben dann mehr Griff und die Belastungen des GFKs im Bereich der Bohrlöcher werden reduziert.

    In jedem Fall sollten innen überstehende Schraubenspitzen abschließend so entschärft werden, dass Verletzungen und Beschädigungen (z. B. von dort verlegten Schläuchen oder Kabeln oder von Material in Stauräumen) ausgeschlossen sind. Man kann das z. B. mit dem übrig gebliebenen Isolationsmantel eines Kabels, mit Schlauchmaterial passenden Durchmessers oder mit Schrumpfschlauch machen.


    Durchbrüche und Verkabelung

    Beim Bohren in GFK (besonders bei größeren Bohrdurchmessern) neigt oft der Gelcoat zu unkontrolliertem Ausbrechen weit um das gewünschte Bohrloch herum. Verhindern lässt sich dies, indem man
    1. zunächst mit kleinem Durchmesser vorbohrt,
    2. dann so großzügig ansenkt,
    3. dass sich der Enddurchmesser ohne Berührung des Gelcoats bohren lässt.
    Rechteckige Ausschnitte gelingen gut, indem man
    1. zunächst alle Ecken (wie gerade beschrieben) anbohrt,
    2. die gewünschte Kontur mit einer Stichsäge (nicht zu grobes Metall-Sägeblatt verwenden, evtl. vorhandenen Pendelhub ausschalten) aussägt
    3. und schließlich den Aussschnitt nötigenfalls noch mit einer Raspel oder Feile nacharbeitet.
    Beim Sägen nicht verkanten und nicht zu ungeduldig in Schnittrichtung drücken, sonst könnte doch wieder der Gelcoat ausbrechen.

    Wo immer Schläuche oder Kabel an Bohrloch- oder Sägeschnittkanten vorbei laufen, so gut ansenken bzw. brechen, das ein Scheuern verhindert wird. Kabel- und Schlauchdurchführungen von außenbords bleiben dauerhaft dicht, wenn man sie (am Besten von innen und außen) gut mit Elastomerkleber füllt. Mit gedichteten Kabeldurchführungen oder mit einer kleinen Edelstahlhutze, auch Mini-Lenzer genannt, (ebenfalls gut mit Elastomerkleber gefüllt) darüber sehen sie auch noch gut aus.

    Kabel und Schläuche verlegt man so, dass Durchführungen möglichst weit über der Wasserlinie liegen. Hydraulikschluche bleiben dabei so lang, dass sie den Bewegungen des Trimmzylinders knickfrei folgen können. Die Kabel elektrischer System bilden außenbords zwischen den Durchführungen am Trimmzylinder und an der Bordwand im Idealfall ein Bogen, so dass Spritzwasser immer von den Durchführungen weg läuft, und am tiefsten Punkt des Kabelbogens abtropfen kann.


    Wartung und Bedienung

    Rechtzeitig vor Beginn der Saison, in jedem Fall aber, bevor man das Boot ins Wasser bringt, ist eine Sichtprüfung sinnvoll:
    • Bei elektrischen Systemen: Sind die Bälge porös oder beschädigt? Im Zweifelsfall sollte man sie dann austauschen, weil undichte Bälge innerhalb kürzester Zeit zum Defekt des Stellmotors führen.
    • Bei hydraulischen Systemen: Sind Schläuche undicht oder geknickt? Ist genug Hydrauliköl im System (ggf. nachfüllen)? Ölverlusten muss man schon deshalb unbedingt nachgehen und sie abstellen, weil die Wasserschutzpolizei bei Öl im Wasser zurecht keinen Spaß versteht.
    • In jedem Fall sollten die Trimmklapen vor dem slippen oder kranen in der oberen Endstellung sein.
    Vor dem Losfahren fährt man sie ziemlich weit runter, weil das Boot dann bei Verdrängerfahrt weniger giert und beim Beschleunigen schneller in Gleitfahrt kommt. Sobald man in Gleitfahrt und der Bug wieder unten ist, dürfen die Klappen wieder etwas bis ganz hoch. Wie weit man die Klappen hoch fährt, hängt vom Wellengang und den Eigenschaften des Boots ab:
    • Bei glattem Wasser kann man Trimmklappen und Powertrimm fein abgestimmt so weit hoch fahren, dass Geschwindigkeit und Motordrehzahl maximal werden. Dabei sollte der Bug gerade noch keine Nickbewegungen machen.
    • Bei etwas mehr Wellen ergibt sich die komfortabelste Fahrt oft mit etwas tieferem Bug, also Klappen und Powertrimm etwas weiter runter gefahren. Der Bug hebt sich dann nicht so weit aus der Welle und schlägt weniger hart in die nächste.
    Der Trimm um die Längsachse wird Bei Bedarf angepasst, indem die Klappe auf einer Seite etwas tiefer gefahren wird als auf der anderen (soweit eine Automatik das nicht von alleine macht).
    Geändert von hyman (30.07.2012 um 08:54 Uhr) Grund: Rechtschreibfehler korrigiert und kleine Ergänzungen (Mini-Lenzer)

  2. #2
    Landratte Mörti befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
    Registriert seit
    05.07.2017
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    Hallo zusammen, haben mir vor ein paar Wochen Smart Tabs an meine Invader (5m lang) montiert. Das war recht einfach. Da ich mir nicht sicher war ob mechanische Trimmklappen gut funktionieren und wie die Wirkung auf mein kleines Boot ist und ich hier im Forum keinen Beitrage über die Smart Tabs SX gefunden haben, möchte ich euch kurz informieren wie das Feedback ist.
    Meine Boot: Invader 165; 3 Liter Mercury 95 kw; Baujahr 1994.
    Meine Probleme: Das Boot wippte immer, so das ich das Z komplett runter trimmen musste um stabil zu fahren. Ausserdem kommt die Gute mit 5 Mann schlecht ins Gleiten (ist ja auch nur ein 3 Liter Motor). Da die Invader 2,18 m breit ist, liegt die recht stabil bei Seitenwellen, hätte mir aber trotzdem etwas mehr Stabilität gewünscht.
    Alles das waren Gründe mir die Smart Tabs SX zu installieren. Rein theoretisch sollten die genau hier aushelfen. Wie sieht es in der Praxis aus?
    Ich kann nur sagen, dass sich die Investition gerechnet hat. Beim Wippen kann ich jetzt fast auf die "hälfte" hochtrimmen, dadurch bin ich schneller und hoffentlich spare ich Sprit. Ich gleite viel schneller und ich schlage bei Weller nicht mehr so feste auf den Wellen auf. Zumindest rein subjektiv. Auch bei Seitenwellen wippt mein Boot nicht mehr so viel nach und ist viel stabiler.

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